Musik, Gaming und Memes
Wo die Szene junge Leute wirklich abholt
19. September 20266 Minuten Lesezeit
Kaum jemand landet über ein Parteiprogramm bei Rechtsextremen. Der Weg führt über Dinge, die erstmal Spaß machen.
Der Einstieg ist selten politisch
Rechtsextreme Gruppen wissen genau, dass niemand ein 80-seitiges Programm liest. Deshalb setzen sie dort an, wo Leute sowieso sind: bei Musik, bei Spielen, bei Humor und bei Sport.
Das Angebot lautet zuerst: Gemeinschaft. Die Ideologie kommt später, wenn man schon dazugehört und nicht mehr so leicht rauskommt.
Musik
Musik transportiert Haltung schneller als jeder Text, den man diskutieren müsste. Die Szene arbeitet mit:
- Rechtsrock, teils offen, teils gerade so am Verbot vorbei formuliert
- Deutschrap-Formate mit völkischen Botschaften in modernem Sound
- Balladen, die Zugehörigkeit und Heimat besetzen und dabei ausgrenzen
- Konzerten und Festivals, die vor allem als Treffpunkt und Geldquelle dienen
Ein Song mit rechtem Inhalt kann musikalisch gut gemacht sein. Beides schließt sich nicht aus, und genau das macht es wirksam.
Gaming und Chats
In Spielen und auf Chatplattformen läuft viel über Gruppen und Server. Was dort passiert:
- Hetze rutscht als Witz durch, weil im Voicechat sowieso viel geflucht wird
- Gruppen werden bewusst mit Namen, Symbolen und Emblemen aus der Szene markiert
- Einzelne Spielerinnen und Spieler werden gezielt angesprochen, wenn sie viel allein spielen
- Es entstehen eigene Server, auf denen die Ideologie irgendwann Hauptthema ist
Zu unterscheiden ist zwischen dem üblichen rauen Ton und Menschenverachtung. Wenn in einer Gruppe Gruppen von Menschen dauerhaft abgewertet werden, ist das kein Gaming-Ton mehr.
Memes
Memes sind für die Szene ideal: kurz, lustig, teilbar und immer mit der Ausrede „war doch nur Spaß“ ausgestattet.
Das Muster heißt ironische Distanz: Man sagt etwas Extremes, legt aber eine Humorschicht darüber. Wer sich beschwert, hat den Witz nicht verstanden. So verschiebt sich Stück für Stück, was normal ist. Irgendwann ist die Humorschicht weg und der Inhalt bleibt.
Woran du es festmachst
Frag dich nicht „ist das noch Spaß?“, sondern:
- Wer soll hier eigentlich lachen und über wen?
- Wäre das auch noch witzig, wenn die betroffene Person danebenstünde?
- Was bliebe übrig, wenn man den Witz wegnimmt?
Wenn die Antwort auf die letzte Frage lautet „dass bestimmte Menschen weniger wert sind“, dann ist das der eigentliche Inhalt. Der Rest ist Verpackung.
Das heißt nicht, dass alles verdächtig ist
Nicht jedes dunkle Meme, nicht jede harte Musik und nicht jeder raue Chat ist rechtsextrem. Wer überall Nazis wittert, verliert schnell die Leute, auf die es ankommt.
Es geht um ein Muster: Wenn immer dieselben Gruppen abgewertet werden, wenn Symbole dazukommen, wenn der Ton gegen Widerspruch immer aggressiver wird, dann ist es kein Zufall mehr.
- Musik
- Gaming
- Memes
- Jugendkultur
Quellen und mehr dazu
Lies weiter
Die Brandmauer: Wer arbeitet mit der AfD zusammen?
Über kaum etwas wird so viel behauptet wie über Zusammenarbeit mit der AfD. Hier steht, was der Begriff meint, was dokumentiert ist und wie du für deinen Ort selbst nachschaust.
Leute finden, die das genauso sehen
Das Schlimmste an rechten Sprüchen in der Klasse ist oft nicht der Spruch, sondern das Gefühl, der Einzige zu sein, den das stört. Bist du nicht.
„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“
Dieser Satz kommt fast immer dann, wenn jemand Widerspruch bekommt. Was im Grundgesetz wirklich steht und warum der Satz meistens nicht stimmt.