Die Brandmauer: Wer arbeitet mit der AfD zusammen?
Und wie du das selbst nachprüfst, statt es zu glauben
20. September 20267 Minuten Lesezeit
Über kaum etwas wird so viel behauptet wie über Zusammenarbeit mit der AfD. Hier steht, was der Begriff meint, was dokumentiert ist und wie du für deinen Ort selbst nachschaust.
Was „Brandmauer“ überhaupt heißt
Der Begriff meint eine Selbstverpflichtung: keine Zusammenarbeit mit der AfD, keine gemeinsamen Mehrheiten, keine Koalitionen. Alle größeren Parteien im Bundestag haben so etwas für sich erklärt.
Wichtig zum Verständnis: Das ist kein Gesetz. Es ist eine politische Absprache, die jede Partei selbst auslegt und die auch gebrochen werden kann. Niemand wird dafür bestraft.
Deshalb ist die spannende Frage nie „gibt es die Brandmauer?“, sondern immer: Was ist an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Abstimmung, tatsächlich passiert?
Stand der Angaben: Dieser Beitrag beschreibt die Lage zum Zeitpunkt der letzten Überarbeitung. In der Politik ändert sich so etwas schnell. Prüf die Quellen und schau nach, was seither passiert ist.
Zwei Vorgänge, über die viel geredet wird
Thüringen, Februar 2020. Thomas Kemmerich von der FDP wurde zum Ministerpräsidenten gewählt, weil neben FDP und CDU auch die AfD für ihn stimmte. Der Vorgang löste eine bundesweite Krise aus. Kemmerich trat nach wenigen Tagen zurück.
Bundestag, Januar 2025. Ein Antrag der Unionsfraktion zur Migrationspolitik bekam eine Mehrheit, weil die AfD mit zustimmte. Es war das erste Mal, dass im Bundestag eine Mehrheit nur mit AfD-Stimmen zustande kam. Ein anschließender Gesetzentwurf fand dann keine Mehrheit.
Beides ist gut dokumentiert und in den Protokollen nachlesbar.
Der Ort, an dem es wirklich passiert: die Kommune
Im Stadtrat oder Kreistag geht es um Schulsanierungen, Bebauungspläne und Vereinsförderung, nicht um Weltanschauung. Dort kommen gemeinsame Mehrheiten viel häufiger zustande als im Bundestag, und es berichtet fast niemand darüber.
Genau deshalb lohnt es sich, dort selbst nachzuschauen, statt auf Schlagzeilen zu warten.
Wie du das für deinen Ort selbst prüfst
Das ist einfacher, als es klingt, und es ist die ehrlichste Form von Politikinteresse.
- Such nach „Ratsinformationssystem“ plus deinem Ort. Fast jede Stadt hat eins, und es ist öffentlich. Dort stehen Anträge, Tagesordnungen und Protokolle.
- Schau in die Sitzungsprotokolle. Bei wichtigen Punkten steht drin, wer wie abgestimmt hat, oft nach Fraktionen aufgeschlüsselt.
- Achte auf die Antragsteller. Interessant ist nicht nur, wer zustimmt, sondern auch, wer einen Antrag gemeinsam einbringt.
- Für den Bundestag: Auf bundestag.de gibt es die namentlichen Abstimmungen. Da kannst du nachlesen, wie jede einzelne Abgeordnete gestimmt hat.
Drei Sätze zur Vorsicht
Zustimmung ist nicht gleich Absprache. Wenn zwei Fraktionen für dieselbe Sache stimmen, kann das Zufall sein. Eine Straßensanierung findet auch die AfD gut. Eine Absprache zu behaupten, ohne sie belegen zu können, ist eine Tatsachenbehauptung, mit der du dich angreifbar machst.
Umgekehrt ist „das war Zufall“ auch nicht immer wahr. Wenn sich dieselbe Mehrheit regelmäßig wiederholt, ist das ein Muster und keine Verkettung von Zufällen.
Bleib beim Belegbaren. Sag, was im Protokoll steht, mit Datum und Tagesordnungspunkt. Das ist unangreifbar. Alles andere ist Meinung, und die darfst du haben, solltest sie aber als solche kennzeichnen.
Warum sich das lohnt
Wenn du in einer Diskussion sagen kannst „am 14. März wurde im Stadtrat Antrag X mit den Stimmen von Y und der AfD angenommen, das steht im Protokoll“, dann redest du nicht mehr über Gefühle. Dann redest du über etwas, das entweder stimmt oder nicht stimmt.
Und das ist eine Position, aus der dich niemand so leicht rausredet.
- AfD
- Brandmauer
- Kommunalpolitik
- Selbst prüfen
Quellen und mehr dazu
Lies weiter
Leute finden, die das genauso sehen
Das Schlimmste an rechten Sprüchen in der Klasse ist oft nicht der Spruch, sondern das Gefühl, der Einzige zu sein, den das stört. Bist du nicht.
Musik, Gaming und Memes
Kaum jemand landet über ein Parteiprogramm bei Rechtsextremen. Der Weg führt über Dinge, die erstmal Spaß machen.
„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“
Dieser Satz kommt fast immer dann, wenn jemand Widerspruch bekommt. Was im Grundgesetz wirklich steht und warum der Satz meistens nicht stimmt.